Wechseljahre und Bluthochdruck: Warum der Blutdruck steigt und was hilft
Bluthochdruck in den Wechseljahren betrifft ueber 50% der Frauen ab 50. Erfahren Sie, warum der Blutdruck steigt, welche Symptome auftreten und was Sie gezielt dagegen tun koennen.
Medizinisch geprüft
Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2026.
Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren zum ersten Mal erhoehte Blutdruckwerte. Das ist kein Zufall: Die hormonelle Umstellung waehrend der Menopause veraendert den Koerper auf eine Weise, die den Blutdruck direkt beeinflusst. Waehrend vor den Wechseljahren deutlich weniger Frauen als Maenner an Bluthochdruck leiden, kehrt sich dieses Verhaeltnis danach um. Ab 65 Jahren haben mehr Frauen als Maenner Bluthochdruck.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum Wechseljahre und Bluthochdruck so haeufig zusammen auftreten, wie Sie ueberlappende Symptome erkennen und welche Massnahmen speziell fuer Frauen in dieser Lebensphase wirksam sind.
Warum steigt der Blutdruck in den Wechseljahren?
Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und Bluthochdruck ist wissenschaftlich gut belegt. Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig und verstaerken sich gegenseitig.
Oestrogenmangel: Der zentrale Faktor
Oestrogen ist nicht nur ein Sexualhormon, sondern hat eine direkte schuetzende Wirkung auf die Blutgefaesse. Es foerdert die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO), einem Botenstoff, der die Gefaesse entspannt und weitet. Wenn der Oestrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, fallen diese Schutzeffekte weg.
Was Oestrogen fuer die Gefaesse tut:
- Gefaessweitung: Oestrogen haelt die Blutgefaesse elastisch und weit. Ohne diesen Schutz verengen sich die Arterien, und der Blutdruck steigt.
- Cholesterinregulation: Oestrogen haelt das “gute” HDL-Cholesterin hoch und das “schlechte” LDL-Cholesterin niedrig. Nach den Wechseljahren verschlechtert sich das Lipidprofil, was zu Ablagerungen in den Gefaessen fuehrt.
- Entzuendungshemmung: Oestrogen wirkt entzuendungshemmend auf die Gefaessinnenwaende. Ohne diesen Schutz nehmen entzuendliche Prozesse zu, die die Gefaessgesundheit beeintraechtigen.
- Salzsensitivitaet: Ohne Oestrogen reagiert der Koerper empfindlicher auf Kochsalz. Die gleiche Menge Salz fuehrt zu einer staerkeren Blutdruckerhoehung als vor den Wechseljahren.
Gewichtsveraenderungen
In den Wechseljahren veraendert sich die Koerperzusammensetzung, selbst wenn das Gesamtgewicht gleich bleibt. Der sinkende Oestrogenspiegel fuehrt dazu, dass sich Fett verstaerkt am Bauch anlagert statt an Hueften und Oberschenkeln. Dieses viszerale Bauchfett ist besonders problematisch, weil es hormonell aktiv ist und entzuendungsfoerdernde Stoffe produziert.
Studien zeigen, dass Frauen in den Wechseljahren durchschnittlich 2 bis 5 Kilogramm zunehmen. Dabei gilt: Schon 5 Kilogramm mehr Koerpergewicht koennen den Blutdruck um 5 bis 10 mmHg erhoehen. Die Kombination aus hormonellem Wegfall des Gefaessschutzes und Gewichtszunahme erklaert, warum der Blutdruckanstieg in den Wechseljahren oft spuerbar ist.
Stress und Schlafprobleme
Die Wechseljahre sind fuer viele Frauen eine psychisch belastende Zeit. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme und die Auseinandersetzung mit dem Aelterwerden erhoehen den Stresspegel. Chronischer Stress fuehrt zu einer dauerhaften Erhoehung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin, die den Blutdruck direkt anheben.
Besonders problematisch sind Schlafstoerungen. Etwa 40 bis 60 Prozent der Frauen in den Wechseljahren berichten ueber schlechten Schlaf, oft ausgeloest durch naechtliche Schweissausbrueche. Schlafmangel aktiviert das sympathische Nervensystem und erhoeht den Blutdruck. Eine Studie der American Heart Association zeigte, dass Frauen mit weniger als sechs Stunden Schlaf ein deutlich hoeheres Risiko fuer Bluthochdruck haben.
Veraenderung des autonomen Nervensystems
Mit dem Abfall des Oestrogenspiegels verschiebt sich das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems zugunsten des Sympathikus, des aktivierenden Teils. Das bedeutet: Der Koerper befindet sich haeufiger in einem Zustand der Anspannung. Die Herzfrequenz steigt leicht, die Gefaesse verengen sich, und der Blutdruck geht nach oben.
Insulinresistenz
In den Wechseljahren nimmt die Insulinsensitivitaet ab. Die Zellen reagieren schlechter auf Insulin, was den Blutzuckerspiegel und indirekt auch den Blutdruck beeinflusst. Insulinresistenz foerdert die Natriumrueckresorption in den Nieren, was zu Wassereinlagerungen und Blutdruckanstieg fuehrt. Mehr zu den verschiedenen Ursachen erfahren Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck Ursachen.
Symptome: Wenn Wechseljahre und Bluthochdruck sich ueberlagern
Ein grosses Problem bei Bluthochdruck in den Wechseljahren ist, dass sich die Symptome beider Zustaende stark aehneln. Viele Frauen ordnen typische Bluthochdruck-Symptome faelschlicherweise den Wechseljahren zu und lassen sie nicht abklaeren.
Ueberlappende Symptome
| Symptom | Wechseljahre | Bluthochdruck | Beides moeglich |
|---|---|---|---|
| Hitzewallungen | Ja | Selten | Ja |
| Kopfschmerzen | Ja | Ja | Ja |
| Schwindel | Gelegentlich | Ja | Ja |
| Schlafprobleme | Sehr haeufig | Ja | Ja |
| Herzrasen/Herzklopfen | Ja | Ja | Ja |
| Stimmungsschwankungen | Ja | Selten | Moeglich |
| Muedigkeit | Ja | Ja | Ja |
| Sehstoerungen | Selten | Ja | Moeglich |
| Ohrensausen | Selten | Ja | Moeglich |
Hitzewallungen und Blutdruck: Ein enger Zusammenhang
Hitzewallungen gelten als das typischste Wechseljahres-Symptom. Was viele nicht wissen: Sie stehen in direktem Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-Risiko. Studien zeigen, dass Frauen mit haeufigen und starken Hitzewallungen ein hoeheres Risiko fuer Bluthochdruck haben.
Waehrend einer Hitzewallung steigt der Blutdruck kurzzeitig an, oft um 10 bis 20 mmHg. Bei Frauen, die taeglich mehrere starke Hitzewallungen erleben, kann diese wiederholte Belastung die Gefaesse schaedigen. Ausserdem deuten neuere Forschungen darauf hin, dass Hitzewallungen ein Marker fuer eine bereits bestehende Gefaessdysfunktion sind.
Warum regelmaessiges Blutdruckmessen in den Wechseljahren wichtig ist
Gerade weil die Symptome sich so stark ueberschneiden, ist regelmaessiges Blutdruckmessen in den Wechseljahren besonders wichtig. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt Frauen ab 45 Jahren, ihren Blutdruck mindestens einmal im Quartal zu messen, bei bekanntem Bluthochdruck in der Familie sogar haeufiger.
Wann Sie unbedingt messen sollten:
- Wenn Hitzewallungen besonders stark oder haeufig auftreten
- Bei anhaltendem Kopfdruck oder Kopfschmerzen
- Bei Schwindel, der nicht nach kurzer Zeit vergeht
- Bei Herzrasen ohne erkennbaren Ausloeser
- Wenn Sie sich ungewoehnlich erschoepft fuehlen
Detaillierte Informationen zum richtigen Blutdruck messen finden Sie in unserem separaten Ratgeber. Einen Ueberblick ueber alle wichtigen Bluthochdruck Symptome bietet unser ausfuehrlicher Artikel.
Lebensstilmassnahmen speziell fuer Frauen in den Wechseljahren
Die gute Nachricht: Viele Massnahmen, die den Blutdruck senken, lindern gleichzeitig auch Wechseljahresbeschwerden. Ein gesunder Lebensstil wirkt damit doppelt.
Ernaehrung: DASH-Diaet anpassen
Die DASH-Diaet (Dietary Approaches to Stop Hypertension) ist die am besten untersuchte Ernaehrungsform bei Bluthochdruck. Fuer Frauen in den Wechseljahren sollte sie gezielt angepasst werden.
Grundprinzipien der DASH-Diaet:
- Viel Gemuese, Obst und Vollkornprodukte
- Fettarme Milchprodukte
- Wenig Salz (maximal 5-6 Gramm pro Tag)
- Wenig gesaettigte Fette und Zucker
Spezielle Anpassungen fuer die Wechseljahre:
- Kalzium und Vitamin D: In den Wechseljahren steigt das Osteoporose-Risiko. Kalziumreiche Lebensmittel (Milchprodukte, gruenes Gemuese, Mandeln) senken gleichzeitig den Blutdruck. Empfohlen werden 1.000 bis 1.200 mg Kalzium taeglich.
- Phytooestrogene: Sojaprodukte, Leinsamen, Kichererbsen und Rotklee enthalten pflanzliche Oestrogene, die Wechseljahresbeschwerden mildern koennen. Ihr Einfluss auf den Blutdruck wird aktuell erforscht, erste Ergebnisse sind vielversprechend.
- Omega-3-Fettsaeuren: Fettreicher Fisch (Lachs, Makrele, Hering), Walnuesse und Leinoel liefern Omega-3-Fettsaeuren, die entzuendungshemmend wirken und den Blutdruck leicht senken koennen.
- Magnesium: Viele Frauen in den Wechseljahren haben einen Magnesiummangel. Magnesium entspannt die Gefaesse und kann Hitzewallungen reduzieren. Gute Quellen sind Nuesse, Samen, Vollkornprodukte und dunkle Schokolade.
- Weniger Koffein und Alkohol: Beide Substanzen koennen Hitzewallungen verstaerken und den Blutdruck erhoehen. Reduzieren Sie den Konsum oder vermeiden Sie ihn vor dem Schlafengehen.
Mehr zur Ernaehrung bei Bluthochdruck lesen Sie in unserem Artikel zur Ernaehrung bei Bluthochdruck und zur DASH-Diaet.
Bewegung: Gezielt fuer Herz und Knochen
Regelmaessige Bewegung senkt den Blutdruck, staerkt die Knochen, verbessert die Stimmung und hilft beim Gewichtsmanagement. Fuer Frauen in den Wechseljahren sind bestimmte Trainingsformen besonders sinnvoll.
Die optimale Kombination:
- Ausdauersport (3-5 Mal pro Woche, 30-45 Minuten): Walking, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen. Senkt den Blutdruck um 5-10 mmHg und reduziert Hitzewallungen nachweislich.
- Krafttraining (2-3 Mal pro Woche): Schuetzt vor Muskelverlust und Osteoporose, die in den Wechseljahren zunehmen. Moderates Kraftausdauertraining mit vielen Wiederholungen und leichten Gewichten ist ideal.
- Yoga oder Tai Chi (1-2 Mal pro Woche): Kombiniert Bewegung mit Entspannung. Studien zeigen, dass Yoga Hitzewallungen reduziert, den Schlaf verbessert und den Blutdruck senkt.
- Beckenbodentraining: In den Wechseljahren schwaecht sich der Beckenboden ab. Gezieltes Training beugt Inkontinenz vor und verbessert das allgemeine Koerperempfinden.
Einen detaillierten Trainingsplan finden Sie in unserem Ratgeber zu Sport bei Bluthochdruck.
Stressmanagement: Doppelt wichtig in den Wechseljahren
Stress ist in den Wechseljahren ein besonders relevanter Blutdrucktreiber. Die hormonelle Umstellung macht den Koerper anfaelliger fuer Stressreaktionen.
Wirksame Methoden:
- Achtsamkeitsmeditation: Taeglich 10-15 Minuten koennen den Blutdruck um 3-5 mmHg senken und Hitzewallungen reduzieren.
- Progressive Muskelentspannung: Besonders effektiv bei stressbedingtem Bluthochdruck und Schlafstoerungen.
- Atemuebungen: Langsames, tiefes Atmen (6 Atemzuege pro Minute) senkt den Blutdruck messbar. Es gibt spezielle Atemtrainer, die dabei unterstuetzen.
- Soziale Kontakte: Isolation erhoeht den Blutdruck. Pflegen Sie Freundschaften und den Austausch mit anderen Frauen in aehnlicher Lebenssituation.
Schlafhygiene: Dem Kreislauf der Schlaflosigkeit entkommen
Schlafmangel erhoeht den Blutdruck, und naechtliche Hitzewallungen stoeren den Schlaf. Dieser Teufelskreis laesst sich durchbrechen.
Massnahmen fuer besseren Schlaf:
- Kuehle Schlafumgebung: Schlafzimmertemperatur auf 16 bis 18 Grad Celsius halten. Verwenden Sie leichte, atmungsaktive Bettwaesche aus Naturfasern.
- Feste Schlafenszeiten: Der Koerper gewoehnt sich an einen Rhythmus, auch wenn Hitzewallungen den Schlaf unterbrechen.
- Abendrituale: Warmes (nicht heisses) Bad, Kraeutertee (Baldrian, Passionsblume), Lesen statt Bildschirme.
- Kein Alkohol vor dem Schlafengehen: Alkohol foerdert Hitzewallungen und verschlechtert die Schlafqualitaet, auch wenn er das Einschlafen erleichtert.
- Schichtkleidung: Tragen Sie mehrere duenne Schichten Nachtwaesche, die Sie bei Hitzewallungen schnell ablegen koennen.
Gewichtsmanagement: Bauchfett gezielt reduzieren
Da viszerales Bauchfett in den Wechseljahren besonders zunimmt und den Blutdruck erhoeht, ist gezieltes Gewichtsmanagement wichtig.
Praxistipps:
- Realistische Ziele: 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche ist gesund und nachhaltig.
- Proteinreichere Ernaehrung: Schuetzt vor Muskelverlust und saettigt laenger. Mindestens 1 Gramm Protein pro Kilogramm Koerpergewicht taeglich.
- Intervallfasten: Methoden wie 16:8 (16 Stunden Fastenperiode, 8 Stunden Essensperiode) zeigen positive Effekte auf Gewicht und Blutdruck. Besprechen Sie diese Methode mit Ihrem Arzt.
- Kein Hungern: Extreme Diaeten fuehren zu Muskelverlust und Jojo-Effekt. In den Wechseljahren sind Crash-Diaeten besonders kontraproduktiv.
Allgemeine Strategien finden Sie in unserem Ratgeber zum Blutdruck senken.
Hormonersatztherapie (HRT) und Blutdruck
Die Hormonersatztherapie ist eines der am meisten diskutierten Themen rund um die Wechseljahre. Auch ihr Einfluss auf den Blutdruck wird intensiv erforscht.
Wie beeinflusst die HRT den Blutdruck?
Die Studienlage ist differenziert. Es kommt stark auf die Art der Hormontherapie an.
Transdermale Anwendung (Pflaster, Gel):
- Hat in den meisten Studien keinen negativen Einfluss auf den Blutdruck
- Kann den Blutdruck sogar leicht senken
- Umgeht den sogenannten First-Pass-Effekt in der Leber
- Gilt als die bevorzugte Anwendungsform bei Frauen mit Bluthochdruck
Orale Einnahme (Tabletten):
- Kann bei manchen Frauen den Blutdruck leicht erhoehen
- Beeinflusst die Leber und die Produktion von Angiotensinogen, einem Blutdruck-regulierenden Protein
- Bei bestehendem Bluthochdruck wird die transdermale Anwendung bevorzugt
Unterschiede zwischen Hormonen:
- Bioidentisches Progesteron hat in Studien weniger negative Effekte auf den Blutdruck als synthetische Gestagene
- Oestradiol (bioidentisch) wird gegenueber konjugierten Oestrogenen bevorzugt
Wann kann eine HRT sinnvoll sein?
Die Entscheidung fuer oder gegen eine HRT ist individuell und sollte mit dem Arzt besprochen werden. In Bezug auf den Blutdruck gilt:
Moeglicherweise vorteilhaft:
- Bei starken Wechseljahresbeschwerden, die den Schlaf und die Lebensqualitaet erheblich beeintraechtigen
- Wenn begonnen innerhalb von 10 Jahren nach der letzten Periode (sogenanntes “Window of Opportunity”)
- Bei niedrigem kardiovaskulaerem Grundrisiko
- Als transdermale Anwendung mit bioidentischen Hormonen
Vorsicht geboten:
- Bei bereits bestehendem, schlecht eingestelltem Bluthochdruck
- Bei erhoehtem Thromboserisiko
- Bei bestimmten Vorerkrankungen (Brustkrebs, Schlaganfall in der Vorgeschichte)
Blutdruckueberwachung unter HRT
Wenn Sie eine HRT beginnen, ist engmaschige Blutdruckkontrolle besonders wichtig.
- Vor Therapiebeginn: Ausgangswert dokumentieren
- In den ersten 3 Monaten: Woechentliche Messungen
- Danach: Monatliche Kontrolle
- Bei Anstieg ueber 140/90 mmHg: Ruecksprache mit dem Arzt
Mehr zu Blutdruck-Medikamenten und moeglichen Wechselwirkungen lesen Sie in unserem separaten Ratgeber.
Ab wann wird Bluthochdruck in den Wechseljahren behandelt?
Die Grenzwerte fuer die Behandlung von Bluthochdruck gelten unabhaengig von Geschlecht und Alter. Allerdings gibt es in den Wechseljahren einige Besonderheiten.
Blutdruck-Grenzwerte
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) | Massnahme |
|---|---|---|---|
| Optimal | unter 120 | unter 80 | Lebensstil beibehalten |
| Normal | 120-129 | 80-84 | Lebensstil optimieren |
| Hochnormal | 130-139 | 85-89 | Lebensstilaenderung, engmaschig kontrollieren |
| Bluthochdruck Grad 1 | 140-159 | 90-99 | Lebensstil + ggf. Medikamente |
| Bluthochdruck Grad 2 | 160-179 | 100-109 | Lebensstil + Medikamente |
| Bluthochdruck Grad 3 | ab 180 | ab 110 | Sofortige aerztliche Behandlung |
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Stufen finden Sie in unserem Artikel zu Blutdruck-Werten.
Besonderheiten in den Wechseljahren
- Weisse-Kittel-Effekt: Frauen in den Wechseljahren sind besonders anfaellig fuer Blutdruckerhoehung in der Arztpraxis. Eine 24-Stunden-Messung kann sinnvoll sein.
- Schwankende Werte: Der Blutdruck kann in den Wechseljahren staerker schwanken als in anderen Lebensphasen. Mehrere Messungen ueber Wochen hinweg geben ein zuverlaessigeres Bild.
- Ganzheitliche Betrachtung: Aerzte sollten bei der Therapieentscheidung auch Wechseljahresbeschwerden, Knochendichte, Stoffwechsellage und psychische Gesundheit beruecksichtigen.
Medikamentoese Therapie
Wenn Lebensstilaenderungen allein nicht ausreichen, kommen blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz. Bei Frauen in den Wechseljahren gelten einige Besonderheiten:
- ACE-Hemmer und Sartane sind haeufig die erste Wahl. Sie schuetzen die Nieren und haben wenige Wechselwirkungen mit einer moeglichen Hormontherapie. Mehr dazu in unserem Artikel zu ACE-Hemmern.
- Kalziumantagonisten koennen ebenfalls gut eingesetzt werden.
- Diuretika sollten mit Vorsicht verwendet werden, da sie die Kalziumausscheidung beeinflussen koennen, was bei erhoehtem Osteoporose-Risiko relevant ist. Thiazid-Diuretika koennen allerdings die Kalziumrueckresorption foerdern und damit bei Osteoporose sogar guenstig sein.
- Betablocker koennen Muedigkeit verstaerken und die Gewichtszunahme foerdern. Mehr dazu in unserem Artikel zu Betablockern.
FAQ: Haeufige Fragen zu Wechseljahren und Bluthochdruck
Koennen Wechseljahre allein Bluthochdruck verursachen?
Ja, die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren kann direkt zu Bluthochdruck fuehren. Der Abfall des Oestrogenspiegels reduziert die schuetzende Wirkung auf die Blutgefaesse, erhoeht die Salzsensitivitaet und verschiebt das autonome Nervensystem in Richtung Aktivierung. Dazu kommen haeufig Gewichtszunahme, Schlafprobleme und Stress. Frauen, die vor den Wechseljahren immer normale Blutdruckwerte hatten, koennen danach erstmals erhoehte Werte entwickeln. Etwa 50 bis 75 Prozent der Frauen ueber 65 haben Bluthochdruck.
Gehen Hitzewallungen und hoher Blutdruck zusammen?
Ja, es besteht ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang. Waehrend einer Hitzewallung kann der Blutdruck kurzfristig um 10 bis 20 mmHg ansteigen. Frauen mit haeufigen und starken Hitzewallungen haben statistisch ein hoeheres Risiko, dauerhaft Bluthochdruck zu entwickeln. Neuere Forschung deutet darauf hin, dass Hitzewallungen ein fruehes Zeichen fuer Gefaessveraenderungen sein koennen. Deshalb sollten Frauen mit starken Hitzewallungen ihren Blutdruck regelmaessig kontrollieren lassen.
Senkt eine Hormonersatztherapie den Blutdruck?
Die Antwort haengt von der Art der Anwendung ab. Transdermale Oestrogenpraeparate (Pflaster, Gel) koennen den Blutdruck leicht senken oder zumindest stabil halten. Orale Hormonpraeparate koennen den Blutdruck bei manchen Frauen dagegen leicht erhoehen. Generell gilt: Eine HRT wird nicht primaer zur Blutdrucksenkung eingesetzt, kann aber bei starken Wechseljahresbeschwerden indirekt helfen, indem sie Schlaf, Stresslevel und Lebensqualitaet verbessert. Besprechen Sie die Entscheidung immer mit Ihrem Arzt.
Wie oft sollte ich in den Wechseljahren den Blutdruck messen?
Bei normalen Werten (unter 130/85 mmHg) reicht eine Messung alle drei Monate. Bei hochnormalen Werten (130-139/85-89 mmHg) empfiehlt sich eine monatliche Kontrolle. Wenn Sie bereits Bluthochdruck haben oder eine Hormonersatztherapie beginnen, sind woechentliche Messungen in der Anfangsphase sinnvoll. Fuehren Sie ein Blutdrucktagebuch, um Schwankungen und Zusammenhaenge mit Hitzewallungen oder Stress zu erkennen. Messen Sie immer zur gleichen Tageszeit und unter gleichen Bedingungen.
Normalisiert sich der Blutdruck nach den Wechseljahren wieder?
In den meisten Faellen leider nicht. Der durch den Oestrogenverlust verursachte Blutdruckanstieg ist in der Regel dauerhaft, da der Oestrogenspiegel nach der Menopause niedrig bleibt. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Lebensstilmassnahmen, regelmaessiger Bewegung, gesunder Ernaehrung, Stressmanagement und bei Bedarf Medikamenten laesst sich der Blutdruck sehr gut kontrollieren. Je frueher Sie gegensteuern, desto besser sind die Langzeitergebnisse.
Ihr naechster Schritt: Blutdruck in den Wechseljahren aktiv managen
Bluthochdruck in den Wechseljahren ist keine unvermeidliche Folge des Aelterwerdens, sondern ein Risikofaktor, den Sie aktiv beeinflussen koennen. Der Rueckgang des Oestrogens mag den Anstoss geben, aber Ihr Lebensstil entscheidet darueber, wie stark der Blutdruck tatsaechlich steigt.
Beginnen Sie damit, Ihren Blutdruck regelmaessig zu messen. Wenn Sie bisher nie gemessen haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Integrieren Sie Bewegung in Ihren Alltag, achten Sie auf eine kalzium- und magnesiumreiche Ernaehrung mit wenig Salz, und nehmen Sie Schlafprobleme ernst.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt offen ueber Ihre Wechseljahresbeschwerden und Ihren Blutdruck. Beides gehoert zusammen betrachtet. Eine ganzheitliche Therapie, die sowohl die hormonelle Umstellung als auch den Blutdruck beruecksichtigt, bringt die besten Ergebnisse.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Ratgebern zum Blutdruck senken, zu Bluthochdruck Ursachen und zu Bluthochdruck Symptomen.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine aerztliche Beratung. Bei Bluthochdruck oder starken Wechseljahresbeschwerden sollten Sie immer einen Arzt konsultieren. Die Angaben basieren auf wissenschaftlichen Studien und Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga und European Society of Cardiology, ersetzen jedoch keine individuelle medizinische Beratung.
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