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ACE-Hemmer Kapseln und Tabletten mit einem Rezept auf einem Schreibtisch
Behandlung & Therapie (Aktualisiert: 7. Februar 2026)

ACE-Hemmer: Wirkung, Nebenwirkungen & Anwendung im Ueberblick

ACE-Hemmer wie Ramipril und Enalapril verstaendlich erklaert: Wirkung, Nebenwirkungen, typischer Reizhusten und was Sie bei der Einnahme beachten muessen.

Aktualisiert: 7. Februar 2026

Medizinisch geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2026.

ACE-Hemmer gehoeren zu den am haeufigsten verschriebenen Medikamenten gegen Bluthochdruck in Deutschland. Wirkstoffe wie Ramipril, Enalapril oder Lisinopril senken zuverlaessig den Blutdruck und schuetzen Herz und Nieren. Gleichzeitig ist der charakteristische trockene Reizhusten eine bekannte Nebenwirkung, die viele Patienten betrifft.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie ACE-Hemmer wirken, wann sie verschrieben werden, welche Nebenwirkungen auftreten koennen und was Sie bei der Einnahme beachten sollten.

Was sind ACE-Hemmer?

ACE-Hemmer sind Medikamente, die den Blutdruck senken, indem sie ein wichtiges Enzym blockieren: das Angiotensin-Converting-Enzyme, kurz ACE. Dieses Enzym spielt eine Schluesselrolle bei der Regulation des Blutdrucks im Koerper.

Die Medikamentenklasse der ACE-Hemmer wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und zaehlt heute zur Erstlinientherapie bei Bluthochdruck. Sie sind nicht nur wirksam bei der Blutdrucksenkung, sondern schuetzen auch Herz, Nieren und Gefaesse vor Folgeschaeden.

ACE-Hemmer erkennen Sie meist an der Endung “-pril”: Ramipril, Enalapril, Lisinopril, Perindopril. Diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig und werden individuell dosiert.

So wirken ACE-Hemmer

Um zu verstehen, wie ACE-Hemmer den Blutdruck senken, muss man das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) kennen. Dieses System ist einer der wichtigsten Mechanismen zur Blutdruckregulation im Koerper.

Das RAAS-System im Ueberblick

Wenn der Blutdruck abfaellt oder die Nieren eine verminderte Durchblutung registrieren, setzen sie das Enzym Renin frei. Renin wandelt das im Blut zirkulierende Protein Angiotensinogen in Angiotensin I um.

Angiotensin I ist noch relativ inaktiv. Erst wenn das ACE-Enzym ins Spiel kommt, wird es in das hochwirksame Angiotensin II umgewandelt. Angiotensin II ist ein starkes gefaessverengendes Hormon, das:

  • Die Blutgefaesse verengt (Vasokonstriktion)
  • Die Ausschuettung von Aldosteron foerdert (fuehrt zu Salz- und Wasserrueckhalt)
  • Den Blutdruck deutlich anhebt

Wo ACE-Hemmer ansetzen

ACE-Hemmer blockieren genau diesen Umwandlungsschritt: Sie verhindern, dass das Enzym ACE Angiotensin I in Angiotensin II umwandelt. Die Folge:

  • Weniger Angiotensin II im Blut
  • Gefaesse bleiben weiter statt sich zu verengen
  • Weniger Aldosteron wird ausgeschuettet, die Nieren scheiden mehr Salz und Wasser aus
  • Der Blutdruck sinkt auf natuerliche Weise

Zusaetzlich verhindern ACE-Hemmer den Abbau von Bradykinin, einem gefaesserweternden Botenstoff. Dieser Effekt traegt zur Blutdrucksenkung bei, ist aber auch fuer den typischen Reizhusten verantwortlich (dazu spaeter mehr).

Die blutdrucksenkende Wirkung setzt nach einigen Stunden ein und erreicht nach 1-2 Wochen regelmaessiger Einnahme ihr volles Ausmass.

Haeufige ACE-Hemmer-Wirkstoffe

Es gibt mehrere ACE-Hemmer auf dem Markt, die sich in ihrer Wirkdauer und chemischen Struktur leicht unterscheiden. Hier die wichtigsten Wirkstoffe:

Ramipril

Der mit Abstand am haeufigsten verschriebene ACE-Hemmer in Deutschland. Ramipril hat eine lange Wirkdauer und muss nur einmal taeglich eingenommen werden. Es ist sehr gut untersucht und in vielen Kombinationspraeparaten enthalten.

Handelsnamen: Delix, Ramipril-ratiopharm, Ramipril Hexal

Enalapril

Einer der aeltesten ACE-Hemmer, seit den 1980er-Jahren im Einsatz. Wird ebenfalls einmal taeglich eingenommen. Gut untersucht bei Herzschwaeche.

Handelsnamen: Xanef, Enalapril-ratiopharm

Lisinopril

Wird vollstaendig ueber die Nieren ausgeschieden, nicht ueber die Leber. Das kann in bestimmten Situationen von Vorteil sein, erfordert aber eine Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstoerungen.

Handelsnamen: Lisinopril-ratiopharm, Lisinopril Hexal

Perindopril

Besonders lange Wirkdauer, einmal taegliche Einnahme. Wird haeufig in Kombination mit dem Kalziumkanalblocker Amlodipin eingesetzt.

Handelsnamen: Coversum, Perindopril-ratiopharm

Captopril

Der erste ACE-Hemmer ueberhaupt (1977 eingefuehrt). Wirkt schneller als die neueren Wirkstoffe, muss aber mehrmals taeglich eingenommen werden. Heute seltener verwendet.

Handelsnamen: Captopril-ratiopharm

Alle diese Wirkstoffe senken den Blutdruck effektiv. Die Wahl haengt von Begleiterkrankungen, Nierenfunktion und individueller Vertraeglichkeit ab. Ihr Arzt entscheidet, welcher Wirkstoff fuer Sie am besten geeignet ist.

Wann werden ACE-Hemmer verschrieben?

ACE-Hemmer sind nicht nur Blutdrucksenker. Sie haben zusaetzliche schuetzende Effekte auf Herz, Nieren und Gefaesse und sind daher bei bestimmten Patientengruppen besonders geeignet.

Bluthochdruck (Hypertonie)

ACE-Hemmer gehoeren zur Erstlinientherapie bei Bluthochdruck. Sie werden eingesetzt, wenn Lebensstilaenderungen allein nicht ausreichen, um den Blutdruck ausreichend zu senken. Laut Leitlinien sind sie bei den meisten Patienten eine gute erste Wahl.

Mehr ueber die verschiedenen Blutdruckmedikamente erfahren Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck Medikamenten.

Herzschwaeche (Herzinsuffizienz)

ACE-Hemmer gehoeren zur Standardtherapie bei Herzschwaeche. Sie entlasten das Herz, verbessern die Pumpleistung und verlaengern nachweislich die Lebenserwartung von Patienten mit Herzschwaeche.

Nach Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt schuetzen ACE-Hemmer das geschaedigte Herz und senken das Risiko fuer weitere kardiovaskulaere Ereignisse. Sie werden in der Regel dauerhaft weitergefuehrt.

Diabetische Nierenerkrankung

Bei Diabetes mellitus schuetzen ACE-Hemmer die Nieren vor weiterer Schaedigung. Sie verringern die Eiweissausscheidung im Urin (Proteinurie) und verlangsamen das Fortschreiten der Nierenerkrankung.

Chronische Nierenerkrankung

Auch bei nicht-diabetischer Nierenerkrankung mit Proteinurie werden ACE-Hemmer eingesetzt, um die Nierenfunktion moeglichst lange zu erhalten.

Koronare Herzkrankheit

Bei Patienten mit verengten Herzkranzgefaessen senken ACE-Hemmer das Risiko fuer Herzinfarkt und Schlaganfall.

ACE-Hemmer werden somit nicht nur bei Bluthochdruck, sondern bei einer ganzen Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Sie sind ein wichtiger Baustein zum Schutz vor Folgeschaeden.

Nebenwirkungen von ACE-Hemmern

Wie jedes Medikament koennen auch ACE-Hemmer Nebenwirkungen verursachen. Die meisten sind mild und voruebergehend, einige erfordern jedoch ein Umstellen auf ein anderes Medikament.

Der typische Reizhusten (5-20% der Patienten)

Die bekannteste Nebenwirkung von ACE-Hemmern ist ein trockener, tickender Reizhusten. Er betrifft 5-20% der Patienten und ist charakteristisch fuer diese Medikamentenklasse. Mehr dazu im eigenen Abschnitt weiter unten.

Schwindel und niedriger Blutdruck

Besonders zu Beginn der Therapie oder bei Dosissteigerung kann es zu Schwindel, Benommenheit oder einem zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) kommen. Dies tritt besonders beim schnellen Aufstehen auf (orthostatische Hypotonie).

Tipp: Stehen Sie langsam auf und setzen Sie sich kurz an die Bettkante, bevor Sie aufstehen. Meist bessert sich diese Nebenwirkung nach einigen Wochen.

Erhoehter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie)

ACE-Hemmer koennen dazu fuehren, dass die Nieren weniger Kalium ausscheiden. Ein zu hoher Kaliumspiegel im Blut kann gefaehrlich sein und Herzrhythmusstoerungen ausloesen.

Wichtig: Regelmaessige Blutkontrollen sind noetig, besonders bei eingeschraenkter Nierenfunktion. Vermeiden Sie kaliumreiche Nahrungsergaenzungsmittel und Salzersatzprodukte (enthalten oft viel Kalium) ohne Ruecksprache mit Ihrem Arzt.

Geschmacksstoerungen

Manche Patienten berichten von einem metallischen Geschmack im Mund oder einer allgemein verminderten Geschmackswahrnehmung. Diese Nebenwirkung ist selten und meist voruebergehend.

Hautausschlag und Juckreiz

Gelegentlich koennen ACE-Hemmer Hautreaktionen wie Ausschlag, Roetung oder Juckreiz ausloesen. Diese sind meist mild und klingen nach Absetzen des Medikaments ab.

Verschlechterung der Nierenfunktion

Paradoxerweise koennen ACE-Hemmer, die eigentlich die Nieren schuetzen sollen, in seltenen Faellen die Nierenfunktion verschlechtern, besonders bei vorbestehender Nierenerkrankung oder Dehydrierung.

Wichtig: Regelmaessige Kontrollen der Nierenwerte (Kreatinin) sind noetig, besonders in den ersten Wochen nach Therapiebeginn.

Angiooedem (sehr selten, aber ernst!)

Ein Angiooedem ist eine ploetzliche Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge, Rachen oder Kehlkopf. Es ist eine seltene (0,1-0,5%), aber potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung.

Symptome: Schwellung der Lippen, Zunge oder des Halses, Atemnot, Schluckbeschwerden, heisere Stimme.

Massnahme: Sofort den Notarzt rufen (112)! Ein Angiooedem ist ein medizinischer Notfall. ACE-Hemmer muessen sofort abgesetzt werden und duerfen nie wieder eingenommen werden.

ACE-Hemmer richtig einnehmen

Die korrekte Einnahme ist entscheidend fuer die Wirksamkeit und Vertraeglichkeit von ACE-Hemmern. Hier die wichtigsten Regeln:

Einnahmezeitpunkt

Die meisten ACE-Hemmer werden einmal taeglich eingenommen. Der Zeitpunkt kann flexibel gewaehlt werden, sollte aber moeglichst immer zur gleichen Zeit erfolgen.

Morgens oder abends? Beide Zeitpunkte sind moeglich. Manche Aerzte empfehlen die Einnahme am Abend, da der Blutdruck nachts nicht zu stark abfallen sollte. Andere bevorzugen die morgendliche Einnahme, um die starkste Wirkung auf die Tageszeit zu legen. Folgen Sie der Empfehlung Ihres Arztes.

Mit oder ohne Essen?

Die meisten ACE-Hemmer koennen unabhaengig von Mahlzeiten eingenommen werden. Captopril sollte allerdings eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden, da Nahrung die Aufnahme verringert.

Nicht eigenmaechtg die Dosis aendern

Auch wenn Ihr Blutdruck gut eingestellt ist, duerfen Sie die Dosis nicht ohne Ruecksprache mit Ihrem Arzt veraendern. Der Blutdruck ist ja gerade deshalb gut, weil Sie das Medikament nehmen.

Nicht abrupt absetzen

ACE-Hemmer sollten nicht ploetzlich abgesetzt werden, da der Blutdruck sonst schnell wieder ansteigen kann. Wenn ein Absetzen noetig ist (z. B. wegen Nebenwirkungen), sollte dies schrittweise und unter aerztlicher Aufsicht erfolgen.

Vorsicht bei Durchfall, Erbrechen oder starkem Schwitzen

Bei starkem Fluessigkeitsverlust kann die blutdrucksenkende Wirkung von ACE-Hemmern zu stark werden. Trinken Sie ausreichend und kontaktieren Sie bei anhaltendem Durchfall oder Erbrechen Ihren Arzt.

Regelmaessige Kontrollen

In den ersten Wochen nach Therapiebeginn sollten Blutdruck, Nierenwerte (Kreatinin) und Kaliumspiegel regelmaessig kontrolliert werden. Spaeter sind Kontrollen in groesseren Abstaenden ausreichend.

Vorsicht mit kaliumreichen Lebensmitteln

Da ACE-Hemmer den Kaliumspiegel erhoehen koennen, sollten Sie sehr kaliumreiche Nahrungsergaenzungsmittel und Salzersatzprodukte (enthalten oft Kaliumchlorid statt Natriumchlorid) meiden.

Normale kaliumreiche Lebensmittel wie Bananen, Kartoffeln, Tomaten oder Nuesse sind in ueblichen Mengen meist kein Problem. Bei eingeschraenkter Nierenfunktion sollten Sie dies jedoch mit Ihrem Arzt besprechen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Informieren Sie Ihren Arzt ueber alle Medikamente, die Sie einnehmen, besonders:

  • NSAR/Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac): Koennen die blutdrucksenkende Wirkung abschwaecehcn und die Nieren belasten
  • Kaliumsparende Diuretika (Spironolacton, Amilorid): Erhoehen das Risiko fuer Hyperkaliämie
  • Lithium (bei bipolarer Stoerung): ACE-Hemmer koennen die Lithiumkonzentration erhoehen

ACE-Hemmer und Schwangerschaft

KRITISCH: ACE-Hemmer duerfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden!

ACE-Hemmer koennen beim ungeborenen Kind schwere Schaeden verursachen, besonders im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel:

  • Nierenschaeden beim Kind
  • Verminderte Fruchtwassermenge
  • Fehlbildungen
  • Verzoegerete Lungenentwicklung
  • Niedriger Blutdruck beim Neugeborenen

Wenn Sie schwanger werden moechten

Wenn Sie schwanger werden moechten oder eine Schwangerschaft planen, sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Arzt. ACE-Hemmer sollten vor der Schwangerschaft auf ein sicheres Alternativmedikament umgestellt werden.

Wenn Sie schwanger sind

Falls Sie waehrend der Einnahme von ACE-Hemmern schwanger werden, setzen Sie das Medikament nicht eigenmaechtg ab, sondern kontaktieren Sie sofort Ihren Arzt. Eine kontrollierte Umstellung ist wichtig.

Sichere Alternativen in der Schwangerschaft

Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft werden andere Medikamente eingesetzt, z. B. Methyldopa oder bestimmte Kalziumkanalblocker (Nifedipin). Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck in der Schwangerschaft.

Auch Sartane sind in der Schwangerschaft verboten! Sie wirken am gleichen System wie ACE-Hemmer und haben aehnliche Risiken.

Der typische ACE-Hemmer-Husten

Der trockene Reizhusten ist die bekannteste und haeufigste Nebenwirkung von ACE-Hemmern. Er betrifft etwa 5-20% der Patienten und ist so charakteristisch, dass erfahrene Aerzte beim Hoeren dieses Hustens sofort an ACE-Hemmer denken.

Wie erkennt man den ACE-Hemmer-Husten?

Der Husten hat typische Merkmale:

  • Trocken und reizend: Kein Auswurf, kein Schleim
  • Tickend oder bellend: Ein charakteristischer Klang
  • Staendig wiederkehrend: Besonders laestig im Liegen oder nachts
  • Kein Zusammenhang mit Erkaeltungen: Tritt unabhaengig von Infekten auf
  • Nicht behandelbar: Hustensaft oder Hustenblocker helfen nicht

Der Husten beginnt meist einige Wochen nach Therapiebeginn, kann aber auch erst nach Monaten auftreten. Bei manchen Patienten ist er nur laestig, bei anderen so stoerend, dass Schlafen oder Sprechen schwerfaellt.

Warum entsteht der Husten?

ACE-Hemmer blockieren nicht nur die Bildung von Angiotensin II, sondern verhindern auch den Abbau von Bradykinin, einem gefaesserweternden Botenstoff. Bradykinin sammelt sich in der Lunge an und reizt die Atemwege, was den charakteristischen Reizhusten ausloest.

Interessanterweise sind Frauen deutlich haeufiger vom ACE-Hemmer-Husten betroffen als Maenner. Auch Nichtraucher entwickeln den Husten oefter als Raucher.

Was tun bei ACE-Hemmer-Husten?

Wenn der Husten auftritt, haben Sie mehrere Moeglichkeiten:

1. Abwarten (2-4 Wochen)

Bei manchen Patienten bessert sich der Husten nach einigen Wochen von selbst, wenn sich der Koerper an das Medikament gewoehnt hat. Wenn der Husten mild ist, koennen Sie unter aerztlicher Aufsicht versuchen, ihn “auszusitzen”.

2. Dosis reduzieren

Manchmal hilft eine Dosisreduktion. Allerdings tritt der Husten unabhaengig von der Dosis auf, sodass auch eine niedrige Dosis den Husten verursachen kann.

3. Wechsel zu einem Sartan

Die beste Loesung bei anhaltendem ACE-Hemmer-Husten ist der Wechsel zu einem AT1-Antagonisten (Sartan). Sartane wirken am gleichen System wie ACE-Hemmer, aber an einem anderen Punkt. Sie verursachen praktisch nie den typischen Reizhusten, da sie Bradykinin nicht beeinflussen.

Haeufige Sartane sind Candesartan, Valsartan, Losartan oder Telmisartan. Die blutdrucksenkende Wirkung ist mit ACE-Hemmern vergleichbar.

4. Wechsel zu einer anderen Medikamentenklasse

Alternativ kann Ihr Arzt Sie auf eine vollstaendig andere Medikamentenklasse umstellen, z. B. Kalziumkanalblocker oder Betablocker. Dies haengt von Ihren Begleiterkrankungen und individuellen Gegebenheiten ab.

Wichtig: Husten abklaeren lassen

Nicht jeder Husten unter ACE-Hemmer-Therapie ist automatisch ein ACE-Hemmer-Husten. Lassen Sie anhaltenden Husten aerztlich abklaeren, um andere Ursachen (Asthma, COPD, Herzinsuffizienz, Lungenerkrankungen) auszuschliessen.

ACE-Hemmer vs. Sartane

ACE-Hemmer und Sartane (AT1-Antagonisten) wirken beide am Renin-Angiotensin-System und senken den Blutdruck auf aehnliche Weise. Dennoch gibt es wichtige Unterschiede.

Gemeinsamkeiten

  • Beide senken den Blutdruck effektiv
  • Beide schuetzen Herz und Nieren
  • Beide sind bei Herzschwaeche, Diabetes und Nierenerkrankungen geeignet
  • Beide sind in der Schwangerschaft verboten
  • Beide koennen den Kaliumspiegel erhoehen

Unterschiede

MerkmalACE-HemmerSartane
AngriffspunktBlockieren das ACE-EnzymBlockieren den AT1-Rezeptor
ReizhustenHaeufig (5-20%)Sehr selten (<1%)
VertraeglichkeitGut, aber Husten problematischSehr gut, niedrigste Abbruchrate
Angiooedem-RisikoSelten, aber vorhandenNoch seltener
StudienlageSehr umfangreich (seit 1970er)Sehr gut (seit 1990er)
PreisMeist guenstig (Generika)Teils teurer

Wann Sartane statt ACE-Hemmer?

Sartane werden typischerweise eingesetzt, wenn:

  • ACE-Hemmer den typischen Reizhusten verursachen
  • ACE-Hemmer aus anderen Gruenden nicht vertragen werden
  • Ein Patient bereits ein Angiooedem unter ACE-Hemmern hatte (wobei auch Sartane dann mit Vorsicht zu geniessen sind)
  • Der Patient eine sehr gut vertraegliche Therapie benoetigt

ACE-Hemmer und Sartane kombinieren?

Nein! Die Kombination von ACE-Hemmern und Sartanen wird nicht empfohlen. Frueher wurde dies versucht, aktuelle Studien zeigen jedoch, dass die Kombination mehr Nebenwirkungen verursacht (besonders Nierenfunktionsverschlechterung und Hyperkaliämie), ohne den Blutdruck wesentlich staerker zu senken.

Welches ist besser?

Weder ACE-Hemmer noch Sartane sind generell “besser”. Beide sind wirksame, moderne Blutdruckmedikamente mit ausgezeichneter Schutzwirkung auf Herz und Nieren.

ACE-Hemmer haben eine laengere Tradition und eine riesige Studienlage. Sie sind oft die erste Wahl, solange sie vertragen werden.

Sartane sind die erste Wahl, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden, besonders bei Reizhusten. Sie gelten als die am besten vertraegliche Medikamentenklasse gegen Bluthochdruck.

Ihr Arzt entscheidet individuell, welche Substanzklasse fuer Sie am besten geeignet ist.

Wann zum Arzt?

In den meisten Faellen werden ACE-Hemmer gut vertragen. Es gibt jedoch Situationen, in denen Sie Ihren Arzt kontaktieren sollten:

Sofort zum Arzt oder Notarzt (112)

  • Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals (Angiooedem)
  • Atemnot oder Schluckbeschwerden
  • Starker Schwindel mit Ohnmacht
  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Starke Brustschmerzen

Zeitnah zum Arzt

  • Anhaltender trockener Reizhusten, der Sie im Alltag stoert
  • Hautausschlag oder Juckreiz
  • Starke Muedigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Geschmacksstoerungen, die nicht verschwinden
  • Regelmaessiger Schwindel beim Aufstehen
  • Dunkler Urin oder deutlich verminderte Urinmenge

Regelmaessige Kontrollen

Auch wenn Sie keine Beschwerden haben, sind regelmaessige aerztliche Kontrollen wichtig:

  • Blutdruckmessung (zu Hause und beim Arzt)
  • Nierenwerte (Kreatinin, GFR)
  • Kaliumspiegel im Blut
  • Allgemeine Vertraeglichkeit und Lebensqualitaet

In den ersten Wochen nach Therapiebeginn oder Dosisaenderung sollten diese Kontrollen engmaschig erfolgen (z. B. nach 1-2 Wochen). Spaeter reichen Kontrollen alle 3-6 Monate aus.

Haeufig gestellte Fragen zu ACE-Hemmern

Was bedeutet ACE-Hemmer?

ACE steht fuer “Angiotensin-Converting-Enzyme”. ACE-Hemmer blockieren dieses Enzym, das normalerweise Angiotensin I in das blutdrucksteigernde Angiotensin II umwandelt. Dadurch bleiben die Gefaesse weiter und der Blutdruck sinkt.

Welche ACE-Hemmer gibt es?

Die haeufigsten ACE-Hemmer sind Ramipril (am meisten verschrieben in Deutschland), Enalapril, Lisinopril, Perindopril und Captopril. Alle enden auf “-pril” und sind verschreibungspflichtig. Sie unterscheiden sich leicht in Wirkdauer und Verstoffwechselung, senken aber alle den Blutdruck effektiv.

Warum verursachen ACE-Hemmer Husten?

ACE-Hemmer blockieren nicht nur die Bildung von Angiotensin II, sondern verhindern auch den Abbau von Bradykinin, einem Botenstoff, der sich in der Lunge ansammelt und die Atemwege reizt. Das fuehrt zum charakteristischen trockenen Reizhusten bei 5-20% der Patienten. Frauen sind haeufiger betroffen als Maenner.

Was tun bei ACE-Hemmer-Husten?

Wenn der Husten nach 2-4 Wochen nicht von selbst verschwindet und Sie im Alltag stoert, sollten Sie mit Ihrem Arzt ueber einen Wechsel sprechen. Die beste Alternative sind Sartane (AT1-Antagonisten), die am gleichen System wirken, aber praktisch nie Husten verursachen. Wechseln Sie nicht eigenmaechtg.

Sind ACE-Hemmer schaedlich fuer die Nieren?

Im Gegenteil: ACE-Hemmer schuetzen die Nieren, besonders bei Diabetes und Eiweissausscheidung im Urin. In seltenen Faellen koennen sie jedoch die Nierenfunktion verschlechtern, besonders bei vorbestehender Nierenerkrankung oder Fluessigkeitsmangel. Regelmaessige Kontrollen der Nierenwerte sind daher wichtig.

Kann man ACE-Hemmer mit Alkohol kombinieren?

Geringe Mengen Alkohol sind in der Regel unproblematisch. Groessere Mengen Alkohol koennen jedoch die blutdrucksenkende Wirkung verstaerken und zu Schwindel oder niedrigem Blutdruck fuehren. Trinken Sie Alkohol nur in Massen und beobachten Sie, wie Ihr Koerper reagiert.

Warum darf man ACE-Hemmer nicht in der Schwangerschaft nehmen?

ACE-Hemmer koennen beim ungeborenen Kind schwere Schaeden verursachen, besonders Nierenschaeden, Fehlbildungen und verminderte Fruchtwassermenge. Wenn Sie schwanger werden moechten oder sind, muss Ihr Arzt Sie auf ein sicheres Alternativmedikament umstellen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Bluthochdruck in der Schwangerschaft.

Kann man ACE-Hemmer wieder absetzen?

In manchen Faellen ja, wenn der Blutdruck ueber laengere Zeit (6-12 Monate) stabil normal ist und Sie Ihren Lebensstil deutlich veraendert haben (Gewichtsabnahme, Bewegung, salzarme Ernaehrung). Das Absetzen darf jedoch nur schrittweise und unter aerztlicher Aufsicht erfolgen. Die meisten Patienten benoetigen ACE-Hemmer dauerhaft. Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel zum Blutdruck senken.

ACE-Hemmer oder Betablocker – was ist besser?

Beide Medikamentenklassen senken den Blutdruck effektiv, haben aber unterschiedliche Einsatzgebiete. ACE-Hemmer sind Erstlinientherapie und besonders geeignet bei Diabetes, Herzschwaeche und Nierenerkrankungen. Betablocker sind ideal bei erhoehter Herzfrequenz, Herzrhythmusstoerungen und nach Herzinfarkt. Die Wahl trifft Ihr Arzt individuell anhand Ihrer Begleiterkrankungen.

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