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Betablocker Tabletten neben einem Blutdruckmessgeraet auf einem Tisch
Behandlung & Therapie (Aktualisiert: 7. Februar 2026)

Betablocker: Wirkung, Nebenwirkungen & was Sie wissen muessen

Betablocker verstaendlich erklaert: Wie sie wirken, welche Nebenwirkungen auftreten koennen und was Sie bei der Einnahme beachten muessen. Ein umfassender Ratgeber.

Aktualisiert: 7. Februar 2026

Medizinisch geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2026.

Betablocker gehoeren zu den bewaehrtesten Medikamenten in der Behandlung von Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Monatlich suchen ueber 31.000 Menschen in Deutschland nach Informationen zu Betablockern. Viele Patienten haben Fragen zur Wirkungsweise, zu Nebenwirkungen oder ob sie die Medikamente irgendwann wieder absetzen koennen.

In diesem umfassenden Ratgeber erklaeren wir verstaendlich, wie Betablocker wirken, wann sie eingesetzt werden, welche Nebenwirkungen auftreten koennen und was Sie bei der Einnahme beachten sollten.

Was sind Betablocker?

Betablocker sind eine Medikamentenklasse, die die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin am Herzen blockiert. Ihr medizinischer Name lautet Beta-Rezeptoren-Blocker oder Beta-Adrenozeptor-Antagonisten.

Die erste Generation von Betablockern wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Seitdem haben sie sich als eines der wichtigsten Werkzeuge in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen etabliert. Der Nobelpreis fuer Medizin 1988 ging teilweise an die Entwickler dieser Wirkstoffklasse.

Wichtig zu wissen: Betablocker sind verschreibungspflichtig und duerfen nur unter aerztlicher Aufsicht eingenommen werden. Sie sind nicht fuer jeden Patienten geeignet und sollten nie eigenmaechttig abgesetzt werden.

So wirken Betablocker

Um zu verstehen, wie Betablocker funktionieren, muessen wir einen Blick auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und die Beta-Rezeptoren werfen.

Beta-Rezeptoren und das Herz

Im Koerper gibt es verschiedene Beta-Rezeptoren, die auf Stresshormone reagieren:

  • Beta-1-Rezeptoren: Hauptsaechlich im Herzen. Wenn sie aktiviert werden, schlaegt das Herz schneller und kraeftiger.
  • Beta-2-Rezeptoren: Vor allem in der Lunge und in den Gefaessen. Sie erweitern die Bronchien und entspannen die Gefaessmuskulatur.
  • Beta-3-Rezeptoren: Im Fettgewebe und in der Blase.

Der Wirkmechanismus

Wenn Sie unter Stress stehen, schuetten Ihre Nebennieren Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese Hormone docken an die Beta-Rezeptoren am Herzen an und bewirken:

  • Erhoehte Herzfrequenz (das Herz schlaegt schneller)
  • Erhoehte Kontraktionskraft (das Herz pumpt kraeftiger)
  • Mehr Sauerstoffverbrauch des Herzens
  • Aktivierung des RAAS-Systems (Renin wird freigesetzt)

Betablocker blockieren diese Rezeptoren. Die Folge:

  • Das Herz schlaegt langsamer (niedrigere Herzfrequenz)
  • Das Herz pumpt weniger kraftvoll
  • Das Herzzeitvolumen (Blutmenge pro Minute) sinkt
  • Der Blutdruck sinkt
  • Das Herz benoetigt weniger Sauerstoff
  • Die Freisetzung von Renin wird gehemmt

Diese Wirkung ist besonders vorteilhaft bei Patienten mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzrhythmusstoerungen oder Herzschwaeche.

Kardioselektive vs. nicht-kardioselektive Betablocker

Moderne Betablocker werden in zwei Gruppen unterteilt:

Kardioselektive Betablocker (Beta-1-selektiv):

  • Wirken hauptsaechlich am Herzen
  • Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol, Atenolol
  • Besser vertraeglich bei Asthma oder COPD (aber Vorsicht trotzdem geboten)

Nicht-kardioselektive Betablocker:

  • Blockieren Beta-1 und Beta-2 Rezeptoren
  • Propranolol, Carvedilol
  • Koennen Bronchien verengen (Atemprobleme bei Asthmatikern)

Ihr Arzt waehlt den geeigneten Wirkstoff basierend auf Ihrer individuellen Situation aus.

Haeufige Betablocker-Wirkstoffe

In Deutschland werden verschiedene Betablocker eingesetzt. Hier sind die wichtigsten:

Bisoprolol

Handelsname: Concor, Bisoprolol-ratiopharm und viele Generika

Bisoprolol ist der am haeufigsten verschriebene Betablocker in Deutschland. Er ist kardioselektiv und hat eine lange Wirkdauer, sodass eine Einnahme pro Tag ausreicht.

Typische Anwendung:

  • Bluthochdruck
  • Stabile chronische Herzschwaeche
  • Koronare Herzkrankheit
  • Herzrhythmusstorungen

Dosierung: Meist 2,5-10 mg einmal taeglich. Ihr Arzt legt die genaue Dosis fest.

Metoprolol

Handelsname: Beloc, Metoprolol-ratiopharm und Generika

Metoprolol ist ebenfalls kardioselektiv und weit verbreitet. Es gibt zwei Formen: Eine sofort freisetzende Form (normale Tabletten) und eine retardierte Form (Depot-Tabletten) mit laengerer Wirkdauer.

Typische Anwendung:

  • Bluthochdruck
  • Nach Herzinfarkt
  • Angina pectoris
  • Herzrhythmusstorungen
  • Migraene-Prophylaxe

Dosierung: 50-200 mg taeglich, aufgeteilt auf 1-2 Einnahmen je nach Praeparat.

Nebivolol

Handelsname: Nebilet, Nebivolol-ratiopharm

Nebivolol ist ein moderner kardioselektiver Betablocker mit einer zusaetzlichen gefaesserweiternd Wirkung. Es wird oft als besser vertraeglich beschrieben.

Besonderheit: Nebivolol foerdert die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in den Gefaessen, was zusaetzlich blutdrucksenkend wirkt.

Typische Anwendung:

  • Bluthochdruck
  • Stabile chronische Herzschwaeche

Dosierung: Meist 5 mg einmal taeglich.

Carvedilol

Handelsname: Dilatrend, Carvedilol-ratiopharm

Carvedilol ist ein besonderer Betablocker, der sowohl Beta- als auch Alpha-Rezeptoren blockiert. Diese Kombination erweitert die Gefaesse zusaetzlich.

Typische Anwendung:

  • Herzschwaeche (sehr gut untersucht)
  • Bluthochdruck
  • Nach Herzinfarkt

Dosierung: 12,5-50 mg taeglich, aufgeteilt auf 2 Einnahmen.

Atenolol

Handelsname: Tenormin, Atenolol-ratiopharm

Atenolol war frueher sehr beliebt, wird heute aber weniger verschrieben, da neuere Betablocker Vorteile zeigen.

Typische Anwendung:

  • Bluthochdruck
  • Angina pectoris
  • Herzrhythmusstorungen

Dosierung: 25-100 mg einmal taeglich.

Wann werden Betablocker verschrieben?

Betablocker werden nicht nur bei Bluthochdruck eingesetzt. Sie haben viele Anwendungsgebiete:

1. Bluthochdruck

Bei Bluthochdruck sind Betablocker nicht mehr die erste Wahl, werden aber in bestimmten Situationen bevorzugt:

  • Bei erhoehter Herzfrequenz (Ruhepuls ueber 80 Schlaegen pro Minute)
  • Bei juengeren Patienten
  • Bei gleichzeitig bestehender koronarer Herzkrankheit
  • Nach Herzinfarkt
  • Bei Herzrhythmusstorungen
  • In Kombination mit anderen Blutdruckmedikamenten

Mehr ueber verschiedene Blutdruckmedikamente erfahren Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck Medikamenten.

2. Koronare Herzkrankheit und Angina pectoris

Bei verengten Herzkranzgefaessen senken Betablocker den Sauerstoffbedarf des Herzens und verringern Angina-Anfaelle (Brustschmerzen durch Sauerstoffmangel).

3. Nach Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt reduzieren Betablocker das Risiko fuer einen erneuten Infarkt und verbessern die Ueberlebensrate deutlich. Sie gehoeren hier zur Standardtherapie.

4. Herzrhythmusstorungen

Betablocker verlangsamen die Herzfrequenz und stabilisieren den Herzrhythmus. Sie werden eingesetzt bei:

  • Vorhofflimmern
  • Vorhofflattern
  • Tachykardien (zu schneller Herzschlag)
  • Extrasystolen (Herzstolpern)

5. Herzschwaeche (Herzinsuffizienz)

Bestimmte Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol, Carvedilol, Nebivolol) sind unverzichtbar in der Behandlung der chronischen Herzschwaeche. Sie verbessern die Pumpfunktion und erhoehen die Lebenserwartung.

Wichtig: Die Therapie wird einschleichend begonnen (sehr niedrige Startdosis, langsame Steigerung ueber Wochen), da sich das Herz erst anpassen muss.

6. Weitere Anwendungen

  • Migraene-Prophylaxe: Metoprolol und Propranolol reduzieren die Haeufigkeit von Migraeneattacken
  • Tremor (Zittern): Propranolol wird bei essenziellem Tremor eingesetzt
  • Angst und Panikattacken: Die koerperlichen Symptome (Herzrasen, Zittern) werden gedaempft
  • Schilddruesen-Ueberfunktion: Zur Kontrolle der Symptome bis zur definitiven Therapie
  • Glauk (Gruener Star): Spezielle Betablocker als Augentropfen

Nebenwirkungen von Betablockern

Wie alle Medikamente koennen auch Betablocker Nebenwirkungen verursachen. Nicht jeder Patient erlebt sie, und viele Nebenwirkungen lassen nach einigen Wochen nach.

Haeufige Nebenwirkungen

Muedigkeit und Abgeschlagenheit (10-20% der Patienten):

  • Besonders zu Beginn der Therapie
  • Bessert sich oft nach 2-4 Wochen
  • Bei anhaltender Muedigkeit: Mit Arzt sprechen, eventuell Wechsel auf Nebivolol

Kalte Haende und Fuesse (5-15%):

  • Durch verlangsamte Durchblutung der Extremitaeten
  • Warme Kleidung, Bewegung helfen
  • Meist keine Gefahr, aber unangenehm

Verlangsamter Puls (sehr haeufig):

  • Das ist gewollt und erwuenscht
  • Ruhepuls sollte nicht unter 50 Schlaege/Minute fallen
  • Bei unter 50: Aerztliche Kontrolle noetig

Schwindel (5-10%):

  • Besonders beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
  • Langsam aufstehen, Blutzucker kontrollieren
  • Meist vorruebergehend

Schlafstorungen und Traeume (5-10%):

  • Einschlafprobleme
  • Lebhafte oder unangenehme Traeume
  • Einnahme morgens statt abends kann helfen
  • Fettloesliche Betablocker (Propranolol, Metoprolol) verursachen dies haeufiger als wasserloesliche (Atenolol, Bisoprolol)

Gelegentliche Nebenwirkungen

Gewichtszunahme (5-10%):

  • Durch verlangsamten Stoffwechsel
  • Meist 2-3 kg
  • Regelmaessige Bewegung und bewusste Ernaehrung wichtig

Erektile Dysfunktion (3-5% bei Maennern):

  • Kann Erektionsprobleme verursachen oder verstaerken
  • Nicht bei allen Betablockern gleich haeufig (Nebivolol gilt als guenstiger)
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, oft gibt es Alternativen

Atembeschwerden (selten bei kardioselektiven):

  • Bei Asthma oder COPD kann sich die Atmung verschlechtern
  • Kardioselektive Betablocker sind sicherer, aber Vorsicht trotzdem geboten
  • Bei Atemnot sofort zum Arzt

Verschlechterung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit:

  • Bei Durchblutungsstoerungen in Beinen/Armen
  • Kann Beschwerden verstaerken
  • Alternative Medikamente sollten geprueft werden

Depressive Verstimmung (selten):

  • Stimmungsschwankungen moeglich
  • Bei bereits bestehender Depression: Vorsicht
  • Bei neuen depressiven Symptomen: Aerztliche Ruecksprache

Blutzuckerschwankungen:

  • Betablocker koennen Warnzeichen einer Unterzuckerung (Zittern, Herzrasen) maskieren
  • Diabetiker sollten Blutzucker engmaschig kontrollieren
  • Moderne kardioselektive Betablocker sind hier sicherer

Seltene, aber ernste Nebenwirkungen

Starke Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardie):

  • Puls unter 40 Schlaege pro Minute
  • Schwindel, Ohnmacht moeglich
  • Sofort aerztliche Hilfe

AV-Block (Stoerung der Erregungsleitung im Herzen):

  • Kann zu ernsthaften Rhythmusstoerungen fuehren
  • Regelmaessige EKG-Kontrollen wichtig

Allergische Reaktionen:

  • Hautausschlag, Juckreiz
  • Sehr selten: Angiooedem (Schwellung von Gesicht/Lippen)
  • Bei Schwellung sofort zum Arzt/Notarzt

Praktischer Umgang mit Nebenwirkungen

  1. Geben Sie dem Medikament Zeit: Viele Nebenwirkungen (Muedigkeit, Schwindel) bessern sich nach 2-4 Wochen.

  2. Fuehren Sie ein Tagebuch: Notieren Sie Nebenwirkungen, wann sie auftreten und wie stark sie sind.

  3. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Nicht aushalten oder eigenmaechttig absetzen. Es gibt oft Loesungen:

    • Dosisanpassung
    • Wechsel auf anderen Betablocker
    • Wechsel auf andere Medikamentenklasse
  4. Regelmaessige Kontrollen: Puls, Blutdruck und bei Bedarf Blutwerte (Blutzucker, Leberwerte) kontrollieren lassen.

Betablocker richtig einnehmen

Die korrekte Einnahme ist entscheidend fuer den Therapieerfolg und die Vertraeglichkeit.

Zeitpunkt der Einnahme

Meist morgens:

  • Die meisten Betablocker werden einmal taeglich morgens eingenommen
  • Ausnahme: Bei zweimal taeglicher Einnahme (manche Metoprolol-Praeparate, Carvedilol) morgens und abends

Mit oder ohne Essen:

  • Die meisten Betablocker koennen unabhaengig von Mahlzeiten eingenommen werden
  • Manche (z.B. Carvedilol, Metoprolol) sollten zu einer Mahlzeit eingenommen werden fuer bessere Aufnahme
  • Lesen Sie den Beipackzettel oder fragen Sie Ihren Arzt

Regelmaessigkeit ist wichtig:

  • Nehmen Sie das Medikament moeglichst zur gleichen Uhrzeit ein
  • So bleibt der Wirkspiegel konstant

Was vermeiden?

Alkohol:

  • Verstaerkt blutdrucksenkende Wirkung
  • Erhoehtes Schwindelrisiko
  • Maessigung empfohlen (maximal 1 Glas pro Tag)

Abruptes Absetzen:

  • NIEMALS eigenmaechttig absetzen!
  • Gefahr von Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstorungen, Herzinfarkt
  • Siehe Abschnitt “Betablocker absetzen”

Bestimmte Nahrungsmittel:

  • Grapefruit kann die Wirkung mancher Betablocker verstaerken
  • Fragen Sie Ihren Apotheker bei Unsicherheit

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Betablocker koennen mit anderen Medikamenten interagieren:

Vorsicht bei Kombination mit:

  • Anderen herzwirksamen Medikamenten (Kalziumkanalblocker vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ)
  • Insulin und oralen Antidiabetika (Blutzuckerkontrolle!)
  • Nichtsteroidalen Entzuendungshemmern/NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) - koennen Wirkung abschwaechren
  • Bestimmten Antidepressiva
  • Asthmamitteln

Informieren Sie jeden Arzt und Apotheker, dass Sie Betablocker einnehmen, bevor neue Medikamente verschrieben werden.

Vergessene Einnahme

Was tun, wenn Sie eine Dosis vergessen haben?

  • Wenn Sie es innerhalb von 4-6 Stunden bemerken: Nehmen Sie die Dosis noch ein
  • Wenn es fast Zeit fuer die naechste Dosis ist: Lassen Sie die vergessene Dosis aus
  • NIEMALS die doppelte Dosis einnehmen, um eine vergessene nachzuholen

Betablocker absetzen

Dies ist einer der wichtigsten Abschnitte: Betablocker duerfen niemals abrupt abgesetzt werden.

Warum nicht einfach aufhoeren?

Wenn Sie Betablocker ueber laengere Zeit einnehmen, passt sich Ihr Koerper an. Es bilden sich mehr Beta-Rezeptoren (Upregulation). Wenn Sie ploetzlich absetzen, sind all diese Rezeptoren ploetzlich wieder empfindlich fuer Adrenalin.

Die Folge (Rebound-Effekt):

  • Starker Blutdruckanstieg (hypertensive Krise)
  • Herzrasen, Herzrhythmusstorungen
  • Angina pectoris-Anfaelle
  • Im schlimmsten Fall: Herzinfarkt

Besonders gefaehrlich bei:

  • Koronarer Herzkrankheit
  • Nach Herzinfarkt
  • Herzrhythmusstorungen

So wird korrekt abgesetzt (Ausschleichen)

Das Absetzen erfolgt immer schrittweise ueber mindestens 1-2 Wochen, oft laenger:

Beispiel Bisoprolol 10 mg:

  • Woche 1-2: 7,5 mg
  • Woche 3-4: 5 mg
  • Woche 5-6: 2,5 mg
  • Woche 7-8: 1,25 mg
  • Dann absetzen

Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder nach Herzinfarkt: Noch langsamer, oft ueber 4-6 Wochen.

Engmaschige Kontrolle waehrend des Absetzens

  • Taeglich Blutdruck und Puls messen
  • Bei Beschwerden (Brustschmerzen, Herzrasen, starker Blutdruckanstieg) sofort zum Arzt
  • Regelmaessige aerztliche Kontrolltermine

Wann ist Absetzen ueberhaupt moeglich?

Selten und nur unter bestimmten Bedingungen:

  • Der Blutdruck ist seit Monaten stabil normal
  • Deutliche Lebensstil-Aenderungen (Gewichtsabnahme, Sport, Ernaehrung)
  • Keine koronare Herzkrankheit oder schwere Herzrhythmusstorungen
  • Der Arzt haelt es fuer vertretbar

In vielen Faellen ist eine dauerhafte Einnahme noetig:

  • Nach Herzinfarkt: Meist lebenslang
  • Bei Herzschwaeche: Lebenslang
  • Bei schwerer Hypertonie: Meist langfristig

Mehr ueber alternative oder ergaenzende Massnahmen erfahren Sie in unseren Artikeln zum Blutdruck senken und zu Hausmitteln gegen Bluthochdruck.

Betablocker und Alltag

Wie beeinflussen Betablocker Ihren Alltag? Hier sind die wichtigsten Punkte:

Betablocker und Sport

Grundsaetzlich: Sport ist auch unter Betablockern moeglich und empfohlen.

Was beachten:

  • Ihre maximale Herzfrequenz ist niedriger als ohne Betablocker
  • Orientieren Sie sich nicht an Herzfrequenz-Zonen, sondern an Ihrem Koerpergefuehl
  • Moderate Intensitaet ist ideal: Sie sollten sich noch unterhalten koennen
  • Ausdauersport ist besser als Kraftsport mit schweren Gewichten
  • Vermeiden Sie Pressen (Valsalva-Manoever)

Vorteile von Sport unter Betablockern:

  • Verbessert die Blutdruckkontrolle zusaetzlich
  • Reduziert Nebenwirkungen wie Muedigkeit
  • Verbessert die Prognose bei Herzerkrankungen

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt vor Beginn eines neuen Sportprogramms, besonders bei Herzerkrankungen.

Betablocker und Alkohol

Alkohol verstaerkt die blutdrucksenkende Wirkung von Betablockern. Die Kombination kann zu:

  • Starkem Blutdruckabfall fuehren
  • Schwindel und Ohnmacht verursachen
  • Die Muedigkeit verstaerken

Empfehlung:

  • Maessigung: Maximal 1 Glas pro Tag fuer Frauen, 2 fuer Maenner
  • Vermeiden Sie groessere Mengen
  • Trinken Sie langsam und zu einer Mahlzeit
  • Achten Sie auf Schwindel beim Aufstehen

Betablocker und Autofahren

Grundsaetzlich kein Fahrverbot, aber:

  • In den ersten Wochen koennen Muedigkeit und Schwindel auftreten
  • Testen Sie vorsichtig Ihre Fahrtuechtigkeit
  • Bei starker Muedigkeit oder Schwindel: Nicht fahren
  • Nach Anpassungsphase (2-4 Wochen) meist problemlos

Informieren Sie Ihre Versicherung, wenn Sie beruflich fahren (LKW, Taxi, Bus). In seltenen Faellen kann eine aerztliche Bescheinigung noetig sein.

Betablocker in der Schwangerschaft

Grundsaetzlich moeglich, aber mit Vorsicht:

  • Nicht alle Betablocker sind in der Schwangerschaft zugelassen
  • Metoprolol gilt als am besten untersucht und wird oft bevorzugt
  • Enge aerztliche Ueberwachung notwendig
  • Moegliche Risiken fuer das Ungeborene: Niedriger Blutzucker, verlangsamter Herzschlag nach der Geburt
  • Setzen Sie Betablocker nie eigenmaechtrig ab, wenn Sie schwanger werden. Sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt.

Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck in der Schwangerschaft.

Betablocker und Stillen

  • Betablocker gehen in unterschiedlichem Mass in die Muttermilch ueber
  • Metoprolol, Bisoprolol und Propranolol gelten als relativ sicher
  • Atenolol sollte vermieden werden (hohe Konzentration in Muttermilch)
  • Aerztliche Beratung ist wichtig

Betablocker bei Hitze

Bei hohen Temperaturen:

  • Trinken Sie ausreichend (mindestens 2 Liter pro Tag)
  • Vermeiden Sie koerperliche Anstrengung in der Mittagshitze
  • Achten Sie auf Schwindel (Blutdruck kann staerker sinken)
  • Messen Sie regelmaessig Blutdruck und Puls

Betablocker und Operationen

Informieren Sie immer den Anaesthesisten:

  • Betablocker werden in der Regel vor Operationen weiter eingenommen
  • Absetzen koennte gefaehrlich sein (Rebound-Effekt)
  • Moderne Anaesthesieverfahren sind darauf eingestellt

Wann zum Arzt?

Bestimmte Symptome erfordern sofortige aerztliche Hilfe:

Notfall (112 rufen):

  • Starke Brustschmerzen oder Engegefuehl in der Brust
  • Atemnot in Ruhe
  • Ohnmacht oder Bewusstseinseinschraenkung
  • Puls unter 40 Schlaege pro Minute mit Schwindel
  • Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge (Angiooedem)

Zeitnah zum Arzt (innerhalb von 24 Stunden):

  • Neu auftretende oder sich verschlechternde Atembeschwerden
  • Starker Schwindel, der nicht bessert
  • Ausgepraegtes Herzstolpern oder Rhythmusstorungen
  • Anschwellende Beine/Fuesse (kann auf Herzschwaeche hindeuten)
  • Anhaltende starke Muedigkeit nach 4 Wochen
  • Depressive Verstimmung

Bei naechstem Termin besprechen:

  • Leichte Nebenwirkungen (kalte Haende, leichte Muedigkeit)
  • Fragen zur Dosierung oder Einnahme
  • Wunsch nach Medikamentenwechsel
  • Fragen zum Absetzen

Haeufig gestellte Fragen zu Betablockern

Was bewirken Betablocker?

Betablocker blockieren die Wirkung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin) am Herzen. Dadurch schlaegt das Herz langsamer und weniger kraftvoll, der Blutdruck sinkt und das Herz benoetigt weniger Sauerstoff. Sie werden bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt, bei Herzrhythmusstorungen und Herzschwaeche eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen haben Betablocker?

Die haeufigsten Nebenwirkungen sind Muedigkeit (10-20%), kalte Haende und Fuesse (5-15%), verlangsamter Puls, Schwindel, Schlafstorungen und lebhafte Traeume. Gelegentlich treten Gewichtszunahme (2-3 kg), erektile Dysfunktion bei Maennern oder Atembeschwerden auf. Viele Nebenwirkungen bessern sich nach 2-4 Wochen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Nebenwirkungen belasten.

Kann man Betablocker einfach absetzen?

Nein, niemals abrupt absetzen. Das kann zu gefaehrlichen Rebound-Effekten fuehren: Blutdruckkrisen, Herzrasen, Angina pectoris oder im schlimmsten Fall Herzinfarkt. Betablocker muessen immer schrittweise ueber mindestens 1-2 Wochen (oft laenger) ausgeschlichen werden, und zwar nur unter aerztlicher Aufsicht mit regelmaessigen Blutdruck- und Pulskontrollen.

Wann sollte man Betablocker einnehmen?

Die meisten Betablocker werden einmal taeglich morgens eingenommen. Manche Praeparate (z.B. Carvedilol, bestimmte Metoprolol-Formen) werden zweimal taeglich (morgens und abends) eingenommen. Nehmen Sie das Medikament moeglichst zur gleichen Uhrzeit ein. Manche sollten zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes und den Beipackzettel.

Welche Betablocker werden am haeufigsten verschrieben?

In Deutschland ist Bisoprolol der am haeufigsten verschriebene Betablocker, gefolgt von Metoprolol. Nebivolol wird oft als besonders gut vertraeglich beschrieben. Carvedilol wird vor allem bei Herzschwaeche eingesetzt. Die Wahl haengt von Ihrer Diagnose, Begleiterkrankungen und individuellen Vertraeglichkeit ab.

Kann man mit Betablockern Sport treiben?

Ja, Sport ist moeglich und empfohlen. Beachten Sie, dass Ihre maximale Herzfrequenz niedriger ist. Orientieren Sie sich an Ihrem Koerpergefuehl statt an Herzfrequenz-Zonen. Moderate Ausdauersportarten (Walken, Schwimmen, Radfahren) sind ideal. Vermeiden Sie schwere Gewichte und Pressen. Sport verbessert die Blutdruckkontrolle und reduziert Nebenwirkungen wie Muedigkeit.

Machen Betablocker muede?

Muedigkeit ist eine haeufige Nebenwirkung (10-20% der Patienten), besonders zu Beginn der Therapie. Sie bessert sich oft nach 2-4 Wochen. Regelmaessige Bewegung kann helfen. Wenn die Muedigkeit anhaltend stark ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ein Wechsel auf Nebivolol oder eine andere Medikamentenklasse kann sinnvoll sein.

Vertraegt sich Alkohol mit Betablockern?

Alkohol verstaerkt die blutdrucksenkende Wirkung von Betablockern und kann zu Schwindel oder Ohnmacht fuehren. Maessigung ist wichtig: Maximal 1 Glas pro Tag fuer Frauen, 2 fuer Maenner. Trinken Sie langsam, zu einer Mahlzeit und achten Sie auf Schwindel beim Aufstehen. Groessere Alkoholmengen sollten vermieden werden.

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